Mietvertrag mit Ehepaar - beide Unterschriften erforderlich 

 
 
Bei Überlassung der Mieträume an ein Ehepaar sollte der Mietvertrag mit beiden geschlossen werden, da nur dann auch beide für Verbindlichkeiten aus dem Mietverhältnis (z. B. Mietzahlungen, Schadenersatzansprüche des Vermieters) haften. Daher müssen im Mietvertrag beide als Mieter angeführt und der Mietvertrag auch von beiden unterschrieben werden. 
Nicht selten kommt es jedoch vor, dass zwar im Kopf des Mietvertrages beide Namen angeführt sind, der Vertrag aber nur von einem Ehepartner unterschrieben ist. In diesem Fall stellt sich die Frage, ob auch der andere Ehepartner Mieter geworden ist und bei Insolvenz des Vertragsunterzeichners vom Vermieter für Verbindlichkeiten aus dem Mietverhältnis, z. B. Mietschulden in Anspruch genommen werden kann. 
Nach ständiger Rechtsprechung ist derjenige Ehepartner, der nur im Kopf des Mietvertrages erwähnt ist, den Vertrag aber nicht unterzeichnet hat, nur dann Vertragspartner geworden, wenn sich dies ausdrücklich, z. B. durch einen Vertretungsvermerk oder jedenfalls schlüssig aus den Umständen ergibt, z. B. daraus, dass der Ehepartner an der Wohnungsbesichtigung und an den Vertragsverhandlungen beteiligt war. Dagegen besteht nach einem neuen Urteil des LG Berlin kein Anlass zu Annahme, der unterzeichnende Ehepartner habe den anderen vertreten, wenn sich dieser zurzeit der Vertragsunterzeichnung im Ausland befunden hat (LG Berlin, Urteil v. 15.06.2004, 63 S 237/03, GE 2004, 1096). In diesem Fall ist der Ehepartner nicht Mieter geworden und kann vom Vermieter nicht in die Haftung genommen werden. 

Allerdings kann sich die Stellung als Mieter auch noch nachträglich ergeben, wenn der Ehepartner im Laufe des Mietverhältnisses gegenüber dem Vermieter rechtsgeschäftliche Erklärungen, z. B. die Zustimmung zu einer Mieterhöhung abgegeben und damit zum Ausdruck gebracht hat, dass auch er als Mieter gelten wolle (so LG Berlin, Urteil v. 24.08.2001, 64 S 232/00, WuM 2002, 119).  

 

Quelle: Haus- und Grundbesitzerverein München e .V.

Folgende Urteile zum Mietrecht könnten Sie ebenfalls interessieren

BGH, Urteil vom 18. Juli 2012 - VIII ZR 1/11 Bundesgerichtshof zur fristlosen Kündigung bei Nichtzahlung von erhöhter Miete Der Bundesgerichtshof hat sich heute in einer Entscheidung mit der Frage befasst, ob der Vermieter dem Mieter, der die...
Besichtigungsrecht des Vermieters bei Verkauf der Wohnung    Das Betretungs- und Besichtigungsrecht des Vermieters ist gesetzlich nicht geregelt. Unstrittig ist, dass der Vermieter im Falle des Verkaufs der Wohnung berechtigt ist, diese mit Kaufi...
Kühlschrank ja, Spülmaschine nein Der Vermieter muss eine Wohnung grundsätzlich nicht mit einer Küche ausstatten. Ausreichend ist, dass entsprechende Anschlüsse, insbesondere für Wasser und Abwasser vorhanden sind. Etwas anderes gilt, wenn...
BGH, Urteil vom 23. November 2011 - VIII ZR 74/11 BGB § 566 Abs. 1 Wird eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die Eigentümerin eines Mehrfamilienhauses und Vermieterin der Wohnungen dieses Anwesens ist, unter Bildung von Wohnungseigentum und ...
Kontakt
Kanzlei für privates Immobilienrecht Harald Spöth - Ihr Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht in München
Kontakt und Anfahrt